Margareta Scheidegger – Der Baum

Eitempera auf Papier, 32 x 24 cm
© Margareta Scheidegger, Bern

Vernissage: Samstag, 10. Juni 2017, ab 16.00 Uhr

Ausstellung: Samstag, 10. Juni, bis Samstag, 8. Juli 2017

Öffnungszeiten: jeweils Donnerstag bis Sonntag von 14.00 bis 19.00 Uhr

Die Künstlerin ist anwesend: Samstag ab 14.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung, 076 420 77 59


Der Baum als Bild des inneren Lebens

Margareta Scheidegger zeigt intensive Malerei in verschiedenartigen Techniken

«Der Baum» nennt Margareta Scheidegger ihre Ausstellung, nicht «Bäume» oder ähnlich. Damit zeigt sie an, dass es ihr nicht um die botanischen Merkmale einzelner Baumarten geht, nicht um die detailgetreue Darstellung der äusseren Wirklichkeit, sondern um den Typus Baum, sein Wesen und um seine Bedeutung in der inneren Welt. Im Baum ereignen sich Werden und Vergehen, der Baum vermittelt zwischen Himmel und Erde, der Baum mit dem Stamm und den ausgreifenden Ästen ist auch ein Bild des Menschen.

Dieses Thema habe sie immer beschäftigt, sagt die Künstlerin, in der Kunst wie in der Natur. Dass es nun in ihrer Arbeit wieder aufgetaucht sei, habe sie nicht geplant, das könne sie auch nicht, die Motive und Themen würden sich selbst bei ihr melden und dann gehe sie darauf ein. Entstanden sind so in den letzten Monaten Bilder in unterschiedlichen Formaten und auch Techniken, zum Beispiel Tusche und Acryl, Eitempera, Öl und Acryl, Aquarell. Eine Gruppe von schwarz-weissen Arbeiten zeigt ein geheimnisvolles, nächtliches und frostiges Waldesinnere. Rhythmisch bewegte Stämme heben sich hell vom Halbdunkel ab, Dornengestrüpp erschwert oder versperrt oft den Zugang, kein Horizont wird sichtbar. In diesem Wald herrscht keine idyllische Stimmung, er scheint vielmehr in Aufruhr zu sein.

Ruhig, warm und sommerlich erscheinen dagegen, zumindest auf den ersten Blick, die farbigen Werke mit ihrem intensiven Rot, dem leuchtenden Blau, dem strahlenden Gelb. Die Bäume stehen weiter voneinander entfernt, es breiten sich Wiesen und Gewässer aus. Dahinter wird der Himmel sichtbar, an dem manchmal ein Gestirn erscheint. Und doch liegt ein leichter Dämpfer über allem, ein Hauch von Melancholie, der die Heiterkeit in Frage stellt. Dieser Eindruck wirkt verstärkt durch ein Merkmal, das beiden Werkgruppen gemeinsam ist: Viele Bäume, ob schlank oder massig, wirken nicht fest verwurzelt, zudem sind ihre Äste bloss kurz und oft beschnitten und tragen kaum Blätter oder Nadeln. Sie sind verletzlich und verletzt. Aber dennoch stehen sie aufrecht und streben nach oben. So begegnet man eindrücklichen Bildern für grundlegende menschliche Empfindungen und Erfahrungen.

Hans Baumann

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